Kunsttherapie im Hospiz

Bilder, die bleiben

Die durchschnittliche Verweildauer im Hospiz beträgt drei Wochen.

Die Hospizbewohner nennen wir Gäste.

Den meisten von ihnen bleibt nur noch wenig Zeit.
Daher entsteht manchmal nur ein Bild - ein Schatz für unsere Gäste und ihre Angehörigen und Freunde.

Es sind im Verhältnis eher wenige Gäste, die sich auf das Malen einlassen, denn

  • einige, die vorher schon gerne gemalt haben, scheuen einen möglichen Kontrollverlust. Sie können in ihrer Kraftlosigkeit den Stift/Pinsel nicht mehr so führen wie früher und das macht Angst. Der Kontrollverlust kann sowohl feinmotorisch als auch psychisch sein.
  • Andere haben in der Schule schlechte Erfahrungen gemacht. Ihnen hängt die Kritik des Kunstlehrers nach, auch wenn diese schon Jahrzehnte zurückliegt.

Wenn sich Gäste einlassen, sind unsere gemeinsamen Erfahrungen durchweg positiv.

 

Das Erstlingswerk eines Gastes, der vorher noch nie gemalt hatte, aus dem Bauch heraus entstanden.
Er hat dem Bild den Titel „Bison vor Beichte“ gegeben.
Wir haben sein Werk im Zimmer aufgehängt, und er ist mit jedem Besucher darüber in den Austausch gegangen.

 

Das ist das nächste Bild des Gastes. Diesmal hatte er sich ganz genau überlegt, was er darstellen wollte:
Im Zentrum des Bildes sein Rollstuhl, der eine Egge zieht.
Die Lampe, die in seiner Zimmerecke steht.
Birkenrinde, Birkengrün, Wasser, Pilze, Bienenkörbe, ein Zaun am Himmel.
Er hat lauthals gelacht, weil er das künstlerisch nicht so umsetzen konnte wie es sollte.
Die Birkenrinde (unten rechts) erinnere ihn an das „Fellmonster“ „Chewbacca“ aus Star Wars.
Er war bester Laune und hat mir dabei aus seinem Leben erzählt.
Er litt an extremster Luftnot. Während er malte, hat er diese gar nicht wahr genommen.
Wenige Tage später ist er gestorben.

 

Ein Apfelbaum, prall gefüllt mit roten Äpfeln, ein Symbol ...
Das Symbol für Leben.
Doch der Baum hat keine Wurzeln.
Sein Stamm steht abgeschnitten in der Wiese.

 

(Malerei einer Angehörigen)
Ein Baum.
Vier Wolken am Himmel: Vater, Mutter, 2 Kinder
Die Wurzeln sind nicht mit der Erde verbunden.
Sie hängen in der Luft.

 

Ein Gast, der erstmals im Hospiz gemalt hat.
Er konnte sich dabei sehr entspannen.
Manchmal hat seine Tochter ihn beim Malen unterstützt.

Er ist die Route 66 gefahren.
Die USA waren sein Sehnsuchtsland.
Er hat dort häufig Urlaub gemacht.
Später hat er selbst ein Truck Stop Lokal eröffnet.
Das Bild zeigt sein Lokal.
Die abgebildete Figur mit langen Haaren und Lederjacke, zeigt ihn in jungen Jahren.

Auch dieser Gast hatte noch nie gemalt.
Die Malerei hat ihr so viel Freude bereitet.
Die Schnecke steht für die Langsamkeit und die Geduld, die sie an diesem Ort erfahren hat.
Sie sagte, dass das Bild zum Ausdruck bringt, wie wohl sie sich bei uns im Hospiz fühlt.

Basteln war eher ihre Leidenschaft.
Gemalt hat sie dann mit einer Selbstverständlichkeit und mit Freude.
Das Bild hat sie für ihre beste Freundin gemalt.

Dieser Hase ist intuitiv entstanden.
Der Gast fühlte sich durch ihn beschützt.
Sie hatte eine Tierhaarallergie, konnte nie ein Haustier halten, was sie stets bedauerte.
Über diesen „Aufpasser“ hat sie sich sehr gefreut.